Familie Schaffert

Peters Geburt aus Juttas Sicht

Liebe Jutta,

Endlich möchte ich Dir das bewegendste Erlebnis des Jahres 1999 beschreiben. Die Zeit hätte ich schon finden können. Irgendwie fehlte mir immer die Muße dazu. Ob ich jetzt noch die Einzelheiten zusammenbekomme? Ich werde mich bemühen.

Unser langersehntes Kind sollte am 28. August zur Welt kommen, hieß es (errechnet nach dem Termin der letzten Regelblutung). Der werdende Opa sagte anhand des Vollmondes den 27. voraus. Schließlich lag er damit bei seiner Tochter 33 Jahre zuvor auch richtig. Schon ab Mitte August hatte ich eigentlich keine große Lust mehr mit meinem immer dicker werdenden Bauch herumzulaufen. Obwohl sich die Gewichtszunahme in Grenzen hielt (ganz am Schluss waren es 14 Kilo) wurde das Leben immer beschwerlicher. Der wunderbare Sommer (der auch bei uns ein wirklicher Sommer war) bekam mir zwar insgesamt gut, aber manchmal wären ein paar Grad weniger nicht schlecht gewesen. Ich wurde jeden Tag runder und behäbiger, lagerte auch Wasser in den Beinen ein, und nur beim fast täglichen Schwimmen meiner 1000 Meter fühlte ich mich so beweglich und fit wie im „Normalzustand".

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Peters Geburt aus Reinhard Sicht

Lieber Peter!

Das erste, was ich von Dir sah, war ein blauer Punkt auf einem Papierstreifen. Das war Ende Dezember 1998 und Jutta besuchte mich im Krankenhaus, wo ich gerade Dienst hatte. Sie brachte diesen Papierstreifen mit. Wir haben uns sehr darüber gefreut, denn wir wollten schon seit einiger Zeit Kinder, und dies war nun das erste Zeichen, dass es geklappt hatte. Wir hatten aber noch Angst, dass Dir in den ersten Wochen etwas passieren könnte. Deshalb wollten wir vorsichtig sein und ließen unseren sonst üblichen Skiurlaub in diesem Jahr ausfallen. Statt dessen fuhren wir in den Schwarzwald, in ein Wochenendhaus von meinem Patenonkel. Hier verbrachten wir einige geruhsame Tage.

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Peters Geburt aus Peters Sicht

Am 6. Dezember 1998 begann ich zu entstehen. Mein Urknall fand statt, als Mutters Ei und Vaters Samen aufeinander trafen und sobald sie sich vereinigt hatten, begann ich mich auszudehnen, zunächst einfach als Zellhaufen, aber nach und nach zeigten sich Unterschiede und nach einiger Zeit begann ich mir eine Form zu geben und die verschiedenen Zellen sammelten sich, um Organe zu bilden. Noch ganz am Anfang begann ich bereits meiner Mutter zu signalisieren, dass ich da bin. Das Signal, ein Hormon, dient als Mitteilung für Mutters Körper, dass er jetzt nicht so fortfahren kann, wie sonst. Die Hormone, die schließlich dazu führen, die Gebärmutterschleimhaut wieder abzustoßen, was zur regelmäßige Blutung führt, dürfen jetzt nicht gebildet werden. Statt dessen brauche ich andere Hormone von ihr, die mich am Leben erhalten und außerdem muss sich ihr Körper auf die neue Situation einstellen, darauf, nun ein weiteres Lebewesen zu ernähren und wachsen zu lassen. Das von mir ausgesandte Signal wird von Mutter wieder ausgeschieden und kann im Urin gemessen werden. Und das dient heutzutage dazu, festzustellen, ob ich da bin.

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